Wenn Wege sich trennen
Dezember 10, 2009 um 11:51 vormittags | Veröffentlicht in Beziehung, Ehe, Gefühl, Leben, Liebe | 3 KommentareSchlagwörter: Familie, Musik, Oma, Oper, Sterben, Tod
Wie fängt man am Besten an, wenn man eine Weile fort war? “Ich bin wieder da” oder “Entschuldigen Sie meine längere Abwesenheit”? Ich bin mir nicht sicher, welcher der elegantere Weg ist, aber ich freue mich, sagen zu können, ab jetzt wieder gern und regelmäßig hier sein zu können. Soviel zu den Formalien. Sie möchten eine Erklärung? Natürlich.
Also:
Die letzten Wochen waren, gelinde ausgedrückt, etwas turbulent. Es sind unvorhergesehene Dinge passiert und das Ganze wurde dann noch unterstrichen von jeder Menge Arbeit und Lernerei. Zwischenzeitlich wusste ich gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Ein absolutes Durcheinander.
Während ich also im Job etwas mehr eingespannt war (und bin) als sonst, nahm das Leben keine Rücksicht auf meinen Zeitmangel und nahm mir einen lieben Menschen. Genauer gesagt meine Oma. Sie verstarb ganz plötzlich. Völlig unerwartet für alle Beteiligten. Am Abend zuvor waren wir noch bei ihr gewesen, hatten zusammen Klavier gespielt, Tee getrunken und von alten Zeiten geredet – am nächsten Morgen war sie nicht mehr da. Sie ist am frühen Morgen einfach von uns gegangen, im Schlaf. Wir sollten dankbar sein für diese Art von Tod. Sie war nicht krank, sie hat nicht gelitten. Und sie wollte, nach einem langen, erfüllten Leben, endlich loslassen und sich auf den Weg zu ihrem geliebten Mann machen. Und genau das hat sie getan. Einfach so. Weil sie es eben wollte. 
Nun habe ich keine Oma mehr. Irgendwie fühlt man sich im ersten Moment total allein, auch wenn man das nicht ist. Man versucht, sich abzulenken, was bei der Menge an Arbeit auch eigentlich kein Problem darstellen sollte. Aber es gibt da eine Sache, etwas, das sie und mich verband: die Liebe zur Musik. Als wir am Abend vor ihrem Tod zusammen am Klavier saßen, bat sie mich, ein Stück aus La Traviata zu singen, der Oper, für die ich momentan lerne. Sie wollte es wieder und wieder hören und ich musste ein ums andere mal zu meinen Noten greifen und für sie singen. Darüber hat sie sich gefreut und ihre Augen strahlten. Diesen Moment werde ich, solange ich mit dieser Oper auf der Bühne stehe – und noch weit darüber hinaus – nie vergessen. Auch wenn es mich eine Menge Kraft kostet, mir bei diesem Stück während der Proben nichts anmerken zu lassen. Wenn der Regisseur diese Szene mit uns durchgeht, merke ich, dass ich Angst davor habe. Angst vor einem lustigen, beschwingten Lied, bei dem mir die Tränen kommen könnten. Während ich pure Lebensfreude spielen muss, denke ich zurück an den Moment, wo ich mit meiner Oma vor dem Klavier saß. Dann bin ich traurig und glücklich zugleich. Traurig, weil sie nicht mehr da ist und glücklich, weil ich ihr noch einmal einen Moment der Freude schenken konnte.
Ich werde meine Arbeit bei “La Traviata” meiner Oma widmen. Weil sie diese Oper mochte. Weil ich weiß, dass sie stolz auf mich gewesen wäre. Und weil ich mir denke, dass sie vielleicht von oben zuschaut.
Godiamo, la tazza e il cantico la notte abbella e il riso; in questo paradiso ne sopra il nuovo dì.
Deine/Eure/Ihre
Zoey
Nachtrag: Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an meinen Mann Francis, der mich in der Zeit der Trauer aufgefangen, beschützt und alles getan hat, damit es mir wieder besser geht. Du bist wirklich ein wundervoller Mann. Ich liebe Dich.
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